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Bericht im "Anzeiger für Harlingerland", am 15. September 2003

Vom Schaf Dolly und der schönen Isabella
Gruppe "Crème frech" begeistert unter dem Motto "Frech wie Oscar" zweimal in ausverkaufter Theodor-Thomas Halle
Von Brigitte Meiners

Filmmusik vom Feinsten: Das Esenser Sextett "Crème frech" zauberte ein zweistündiges Musikprogramm  mit vielen Gags, gesanglichen Highlights und Wiederbegegnungen mit Evergreens aus dem Zylinder.

ESENS -  "Frech wie Oscar": So präsentierte sich am Freitag- und Samstagabend das Esenser Männer-Sextett "Crème frech", das vor  zehn Jahren gegründet wurde und sich unter wechselnder Besetzung vom großen Vorbild, den Comedian Harmonists, entfernt hat, ohne dass dies den Erfolg beim Publikum schmälern konnte: Ideenreich und mit viel Liebe zum Detail nahmen Georg Wagner, Wolfram Nagel, Peter Gier und die drei musikalischen Brüder Kersten, Oliver und Detlef Kiesé die vielen Zuhörer - die Halle war an beiden Abenden ausverkauft -  mit auf eine musikalische Reise durch das Film-Genre: Das Publikum ließ sich bereitwillig verzaubern und war schlichtweg begeistert. Donnernder Applaus nicht nur am Schluss des zweistündigen Programms, sondern auch zwischendurch war der Dank.
Auf ein wenig stoffelige, dadurch jedoch urkomische Weise, führte Detlef Kiesé durch das Programm, das den Zuhörern einiges abverlangte: Kreuz und quer ging es durch die Filmgeschichte, die Gruppe wagte Brüche, und zeigte sich eben "frech wie Oscar": In Ermangelung der schönen Dolly musste zum Beispiel bei dem Lied "Hello Dolly" aus dem gleichnamigen Musical das Klon-Schaf Dolly herhalten. Mit wechselnden Accessoires, jeweils passend zum Lied, schufen die sechs Sänger das stimmige Umfeld: Klar, dass bei dem Lied "Ich brech' die Herzen der stolzesten Frauen" rote Herzen in Variationen im Spiel waren, klar auch, dass "Jamaica farewell" von Harry Belafonte nicht ohne große Strohhüte auskam.
Die Gruppe "Crème frech" , ob nun a-capella oder mit gekonnter Klavierbegleitung durch Wolfram Nagel, stellte ihr Allroundtalent unter Beweis: Mal gefühlvoll wie bei "Stand by me", einem Höhepunkt schon gleich ganz zu Anfang des Abends, der das Talent des Counter-Tenors Oliver Kiesé deutlich machte. Erst hatten die Zuhörer eine Gänsehaut, und dann klatschten sie, was das Zeug hielt. Das andere Mal eher witzig und komisch: Das gleich nach der Pause gebrachte Walt-Disney-Medley, das ein Wiedersehen mit Balu, dem Bären und den aristokratischen Katzen brachte und das  Mary Poppins (Oliver Kiesé) per Schirm auf die Bühne schweben ließ, bestach nicht nur durch die  Einfälle bei der Kostümierung, sondern auch durch die bekannten Ohrwürmer, die zum Mitsingen animierten. Und im Hintergrund die jeweiligen Filmausschnitte: Das Medley war mehr als gelungen. Gelungen auch das Wiedersehen mit James Bond. Zur bekannten  Filmmusik aus "Golden Eye" stellte Detlef Kiesé ungeahnte Qualitäten unter Beweis: Im Outfit einer Tina Turner interpretierte er den Filmsong.
"Urlaub für die Ohren und die Seele" hatten "Crème frech" dem Publikum zu Beginn angekündigt. Damit hatten die sechs Hobby-Sänger, die erstaunliche A-cappella-Sicherheit bot, wobei das Publikum über kleine Patzer bereitwillig hinweg sah, nicht zu viel versprochen: Ihr gemixtes Programm, bei dem es ohne die "Comedian Harmonists" denn doch nicht ging, ließ keine Wünsche offen. So wurde nicht nur die "schöne Isabella von Kastilien" lebendig, sondern auch Elivs Presley erwachte in "Love me tender" zu neuem Leben. Und der bekannte Ohrwurm "Movie-Star" gleich zu Beginn des Programms ließ das Publikum, das zwischendurch selbst zum Akteur wurde, ahnen, was es erwartet: Gute Musik fürs Ohr und Überraschendes fürs Auge.
Auch wenn gleich nach dem letzten Lied eine mit Feudel und Besen bewaffnete Putzfrau mit gespieltem Ernst dem Ganzen ein Ende setzen wollte, wurde die Gruppe natürlich nicht ohne Zugaben entlassen. Dreimal mussten die Jungs noch ran und verabschiedeten sich schließlich mit dem allerletzten Lied "True Love" aus "Die oberen Zehntausend." Schade eigentlich. Denn das Publikum hätte gerne noch mehr gehört.