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Bericht im "Anzeiger für Harlingerland" am 30. März 1998:

Klassiker mit Doktorhut und Badekappe
A-cappella-Formation "Crème frech" bei Premiere der "Wochenend- und Sonnenschein"-Tour gefeiert
Von Wolfgang Malzahn

Esens - Gleich in doppelter Ausführung stand er auf der Bühne - der kleine grüne Kaktus, der zum Kultgewächs geworden ist. Ebenso, wie die Musik der "Comedian Harmonists" heute Kult ist. Um dieses Schlager-Genre, bei dem zumeist "ein guter Freund, ein guter Freund" oder der just einer gewissen Veronika erschienene Lenz im Vordergrund steht, kümmert sich die A-cappella-Formation "Crème frech", die am Freitagabend in der überfüllten Theodor-Thomas-Halle eine mitreißende Premiere präsentierte.

Wenn sich heutzutage sechs Männer einen Frack samt Zylinder anziehen und das Lied vom kleinen grünen Kaktus singen, dann haben sie schon gewonnen. Da flippen diejenigen Zuhörer, für die so etwas "kultig" ist, völlig aus. Deshalb  könnten "Crème frech" eigentlich auch machen, was sie wollen - sie finden immer ein begeistertes Publikum. Doch bei Detlef und Oliver Kiesé, Peter Gier, Reemt Baumann, Michael Schneider und Georg Wagner, den sechs Interpreten von "Crème frech", ist das noch ein wenig anders: Das, was sie in Frack und Zylinder präsentieren, ist nämlich richtig gut. Man spürt bei jedem Titel, wie viel Arbeit in die einzelnen Arrangements investiert worden ist. Die Vorschusslorbeeren, der stürmische Beifall schon bei geschlossenem Vorhang, ist durchaus angebracht. Sie bringen alleine mit ihren Stimmen einen ganzen Saal zum Swingen und zum Mitschnippen. Das Publikum geht so euphorisch mit, dass man sich manchmal wünschte, es würde lieber auf das schier unvermeidliche Hitparaden-Mitklatschen verzichten, weil dadurch verzichten, weil dadurch doch einige Feinheiten des gesanglichen Wohlklangs untergehen.

Kopfstimme und Kopfbedeckung spielen die Hauptrolle beim "Crème frech". Ihre Schlager-Klassiker von Heinz Rühmann bis zu den Beach Boys werden nicht nur vorgetragen, sondern dargestellt. Vom Doktorhut bis zur Badekappe reichen da die Utensilien - was sollen sechs musikalische Männer auch sonst bei "Itsy Bitsy Teenie Weenie" aufsetzen? Urkomisch das Medley "Kinderkram", wo beliebte Comic-Figuren von der Biene Maja bis zum Wum und Wendelin fröhliche Urständ feiern. Ob "Capri-Fischer" oder das "Café Oriental" - die sechs Zylinder-Sänger sorgten mit feinem Humor dafür, dass dieser Abend ganz einfach Spaß machte. Leider konnte man das von dem Moderator Peter Leisegang nicht behaupten, der in diesem ansonsten sehr gelungenen Programm völlig deplatziert wirkte.

So schwungvoll auch das Spiel von Detlef Kiesé am Flügel oder an den Keyboards war, so einfühlsam auch Peter Gier in die Gitarrensaiten griff - am stärksten wirkte "Crème frech" immer dann, wenn sie tatsächlich als reine A-Cappella-Formation auftraten, wie zum Beispiel bei dem Spiritual "Go down Moses" oder insbesondere auch bei dem stärksten Titel des Abends, der viel umjubelten Zugabe "Stand by me". Apropos Zugaben: Hier ließen die Besucher keine Gnade walten. Die Zugaben waren fast so umfangreich wie der Programmteil nach der Pause. Die Fans konnten gar nicht genug kriegen von "Wochenend und Sonnenschein" und von "Crème frech".