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Aus dem "NORDLICHT", Ausgabe 22. November 1998:
Musik wie "Wochenend und Sonnenschein" Crème frech: Sechs stimmgewaltige Männer mit ausgefallenem Hobby Von Wolfgang Koppen
Ostfriesland. Kommen ein Radiologieassistent und ein Pastor zusammen, denkt man automatisch an einen kritischen Moment in der Notaufnahme eines Krankenhauses. Taucht dann noch ein Lokalredakteur einer Tageszeitung auf, verdichtet sich das zu einer mittleren Katastrophe. Wenn sich dazu noch ein Standesbeamter, ein Sozialpädagoge und ein Betriebswirt gesellen, kann es sich jedoch nur um das ostfriesische Gesangs-Sextett "Creme frech" handeln, denn die sechs Barden haben durchaus "ehrenwerte" Berufe erlernt. Vor rund zehn Jahren bildete sich unter diesem Namen in Esens eine Musikgruppe, die bereits großen Wert auf mehrstimmigen Gesang legte. 1995 löste die Band sich auf, und vier der Mitglieder, Oliver und Detlef Kiesé, Peter Gier sowie Michael Schneider, gründeten den gleichnamigen A-cappella-Chor. Aber vier Stimmen reichten ihnen nicht aus, Verstärkung musste her. Eine Zeitungsanzeige half, und so kamen Georg Wagner aus Wittmund und Reemt Baumann aus Ostersander bei Aurich hinzu. Die Gruppe - sie trifft sich heute regelmäßig einmal in der Woche zum Probenabend - begann dann sofort damit, ein eigenes Repertoire aufzubauen und einzustudieren. Und das sollte "familienkompatibel" sein, wie es Peter Gier ausdrückt, "eben für jedes Alter und jeden Geschmack etwas." Stimmlich ist das kein Problem, denn das Klangspektrum der Musiker reicht von Baß bis Tenor, und die Darbietungen vom sechsstimmigen Satzgesang bis zum Nachahmen verschiedener Musikinstrumente. Denn mit auf die Bühne nehmen die Künstler neben ihrer Stimme nur ein Klavier und eine Gitarre. Das Repertoire umfasst heute rund 25 deutsch- und englischsprachige Stücke, darunter natürlich "Mein kleiner grüner Kaktus", Veronika, der Lenz ist da" und "Wochenend und Sonnenschein". Dazu aber auch Gospels, Shantys und sogar Elvis Presleys "Love me tender", alles in selbst arrangiertem Satz. Weitere drei Lieder sind in Vorbereitung, darunter ein Medley lustiger Kinderlieder und das erste selbst komponierte Stück. Klar, eines der Vorbilder von "Creme frech" sind die "Comedian Harmonists", die in den 20er Jahren zu den Wegbereitern des mehrstimmigen Satzgesangs gehörten. Die Gruppe mit Mitgliedern im Alter von 32 bis 48 Jahren will aber auch erinnern an Harry Belafonte, Heinz Rühmann, Cornelia Froboes und letztendlich an die wilden 50-er und 60-er Jahre, wobei ihre Auftritte von der zehnminütigen Einlage bis zum abendfüllenden Konzert reichen. Genau wie der Gesang ist auch die Bühnenshow sorgfältig einstudiert. Schwarzer Frack und Zylinder (vorzugsweise ein Chapeau claque), graue Bauchbinde, Stock, weiße Handschuhe sowie ein Papp-Koffer für Utensilien und Kostümstücke, so betritt "Creme frech" stilvoll die Bühne. Das Konzept scheint zu stimmen, denn bereits weit mehr als ein Dutzend Auftritte sind für dieses Jahr verabredet. Daneben findet das erste abendfüllende Konzert der Gruppe am 27. März in der Esenser Theodor-Thomas-Halle statt. |
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